Bottroper LINKE ist zurück: Mitgliederrekord und Rückkehr der Ratsgruppe zur Partei

Die politischen Turbulenzen durch die gemeinsamen Bundestagsabstimmungen von CDU, AfD und BSW haben nun Folgen in Bottrop: DIE LINKE kann in Bottrop einen enormen Mitgliederansturm verzeichnen. Sie hat in zwölf Monaten ihre Mitgliedschaft verdoppelt. Auch die linke “Ratsgruppe Bottroper Sozialistinnen und Sozialisten” hat einstimmig die Rückkehr zur Partei DIE LINKE beschlossen und führt ab 1. März wieder den Namen “DIE LINKE im Rat der Stadt”. Gleichzeitig wurde die Unvereinbarkeit der Mitgliedschaft im BSW mit der Mitarbeit in der Ratsgruppe festgestellt.

“Ich bin seit 2002 in unserer Partei, seit 2015 Kreisvorsitzende. So eine Eintrittswelle habe ich noch nie erlebt”, berichtet LINKE-Kreisvorsitzende Nicole Fritsche-Schmidt. “Das hat mit unserem Bundesparteitag im Oktober und dem Ampel-Aus begonnen. Seit der Kumpanei von Merz und Wagenknecht mit der AfD im Bundestag gab es keinen Tag, an dem ich morgens keine Beitritte in der Email hatte”, freut sich die Vorsitzende. Das sei angesichts der Abspaltung des BSW keineswegs selbstverständlich: “Wir waren vor einem Jahr in einer extrem schwierigen Lage, auch durch den Wechsel langjähriger Vorstandsmitglieder zum BSW. Heute stehen wir stärker da, als jemals zuvor”, sagt Fritsche-Schmidt und betont: “Ich bin sicher: Das liegt auch an unserer Verlässlichkeit im Kampf gegen Rechtsradikale.“

Auch die Veränderungen bei der Ratsgruppe wurden durch die Erschütterungen in Berlin in Gang gesetzt. “Nach dem skandalösen Abstimmungsbündnis von BSW, AfD, CDU und FDP im Bundestag gibt es bei uns niemanden, der bereit ist, die Zusammenarbeit mit Mitgliedern des BSW fortzusetzen. Das gilt auch für unsere Genossen ohne Parteibuch. Die Vorgänge in Berlin waren einfach zu viel“, sagt Sven Hermens, der Sprecher der Ratsgruppe und ergänzt: „Was da passiert ist, widerspricht den politischen Grundsätze, auf die sich diese Ratsgruppe einstimmig verständigt hat und auch unserem aktuellen Wahlprogramm von 2020.“

So heißt es in dem Wahlprogramm: „Keinen Fußbreit den Faschisten. Wir werden uns dem rechtsradikalen Vormarsch in den Gremien und auf der Straße weiter in den Weg stellen. (…) Es gilt, eine Mehrheit aus mehrheitlich reaktionären Christdemokraten, der neoliberalen FDP und den AfD-Faschisten zu verhindern.”

Die Ratsgruppe “BOT.sozial” hatte sich im März 2024 im Einvernehmen darauf verständigt, dass man gemeinsam den Kampf für soziale Gerechtigkeit und Antifaschismus in Bottrop fortsetzt.

Ratsherr Christoph Ferdinand, der lange auch Sprecher der Ratsgruppe war, ergänzt: “Das BSW hat nun in Berlin eben eine Mehrheit aus reaktionären Christdemokraten, der neoliberalen FDP und den AfD-Faschisten ermöglicht, in einem Fall durch gezielte Stimmenthaltung, in einem weiteren Fall wurde durch Zustimmung sogar versucht, eine solche Mehrheit herzustellen. Das ist das glatte Gegenteil unserer gemeinsam in Bottrop beschlossenen Ziele.“

Hermens verweist auch insgesamt auf das Abrutschen des BSW nach rechts:

So hat das BSW, wie vergangene Woche bekannt wurde, in einem Rechtsstreit mit dem WDR über die Teilnahme an einer Wahlsendung vorgetragen, eine Koalition des BSW mit der AfD sei möglich, daher habe Sahra Wagenknecht Chancen, Kanzlerin zu werden.*

Ferner stellt die aktuelle BSW-Wahlkampagne Fragen von Zuwanderung in problematischer Weise in den Mittelpunkt. Entsprechende Materialien werden in Bottrop von Personen, die bisher in der Ratsgruppe aktiv waren, in erheblichem Umfang verbreitet.

„All das verletzt unsere Grundsätze als Gruppe, die im Antifaschismus tief verwurzelt ist. Auf der Basis kann es keine weitere Zusammenarbeit geben. Leider gab es auf der Seite der Betreffenden keine Bereitschaft, ihre Mitgliedschaft im BSW zu beenden. Deshalb mussten wir die Mitarbeit von unserer Seite beenden. Bei aller persönlichen Wertschätzung für die Aktiven, die 2024 zum BSW gewechselt sind, gab es dazu angesichts der Sachlage keine Alternative. Wer ungeachtet der jüngsten Ereignisse weiter im BSW bleiben will, kann nicht bei uns mitarbeiten“, resümiert Sven Hernens.

*https://www.rundschau-online.de/kultur/ard-wahlarena-vg-koeln-lehnt-klage-von-wagenknecht-partei-gegen-wdr-ab-swr-muss-bsw-einladen-957823

Für schwarze Null: Bottrop gibt Klimaziel 2035 auf

Für schwarze Null: Bottrop gibt Klimaziel 2035 auf

Völlig überraschend und nur im Kleingedruckten kündigt die Bottroper Stadtverwaltung heute öffentlich an, dass sie ihre Klimaziele für das Jahr 2035 verworfen hat.

Neues „spätestes“ Ziel für Klimaneutralität in Bottrop ist das Jahr 2045.

Das soll der Stadtrat am 19.11. beschließen.

Leider ist das nicht das Ergebnis einer öffentlichen politischen Debatte. Die Kommunalpolitik ist darauf bisher nicht einmal formlos hingewiesen worden. Zu lesen ist diese Unverschämtheit im letzten Absatz auf Seite 3 einer Vorlage zum Ausschuss für Stadtplanung und Umweltschutz bzw. zum Wirtschaftsförderungs- und Grundstücksausschuss zu Tagesordnungspunkt 3.

Der Grund dafür ist laut Verwaltung einfach: Es ist nicht genug Geld da. Die leere Stadtkasse und die Haushaltssicherung verbieten es der Stadt de facto, im nötigen Ausmaß Klimaschutz zu betreiben.

Ausgerechnet in der Vorlage zum „Masterplan Klimastadt“ (kein Scherz!) muss man lesen:

„Die Verschiebung des Zielhorizonts von 2035 auf einen späteren Zeitpunkt wird dadurch bedingt, dass aufgrund der bestehenden Haushaltssicherung aktuell nur begrenzte Mittel für Investitionen in den Klimaschutz zur Verfügung stehen. „

Es zwingt also eine Landesregierung aus CDU und ausgerechnet den Grünen die Kommunen in NRW dazu, ihre Klimaziele zu verwerfen, indem sie den Städten schlichtweg zu wenig Geld geben, um sie zu erreichen.

Das dürfte sowohl gegen das Klimaschutzgesetz des Bundes als auch gegen die Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichtes zur Generationengerechtigkeit verstoßen.

Insbesondere im Verkehrssektor werden die Emissionen nicht sinken können, denn die Kommunen sind es, die die Alternativen wie Radwege und Buslinien planen, bauen und finanzieren müssen.

Noch dazu gibt sich Bottrop selbst den Titel „Innovation City“ und will beim Klima Vorbild sein für alle anderen Städte. Wenn aber selbst der Vorreiter zu spät im Ziel ist, wann sollen andere dann nach kommen?

Und statt endlich gegen das Land NRW zu klagen, weil entgegen der Landesverfassung hinten und vorne das Geld der Kommunen wie Bottrop nicht reicht, schwingt OB Bernd Tischler weiter die Abrissbirne – diesmal gegen den Klimaschutz in Bottrop.

Keine Rodung am Südring!

Keine Rodung am Südring!

Ein Investor will im Bereich Südring/Hünefeldstraße über 150 Wohneinheiten bauen. Leider nicht die Art von Bebauung, die wir brauchen.

Vor allem aber muss dafür eine Grünfläche weichen, die zum Beispiel für die frische Luft in der südlichen Bottroper Innenstadt sehr wichtig ist. Über die Jahre hat sich dort ein Wald gebildet. Der soll für die Häuser aber gefällt werden.

Wer so einen Eingriff in die Natur macht, muss ihn auch ausgleichen: 6 Hektar Ausgleichsfläche braucht man für dieses Vorhaben.

Problem: Die Stadt Bottrop besitzt keine Fläche mehr, auf der Ausgleiche dieser Größe möglich sind. Eigentlich soll der Ausgleich möglichst nah am Ort des Eingriffs passieren.

Nun schlägt die Verwaltung vor, Ausgleichsfläche in Gelsenkirchen und Hünxe zu nutzen.

Davon haben nun aber Anwohner und Natur um Umfeld des Neubaugebietes absolut gar nichts.

Da könnten wir ja einfach alle Grünflächen in Bottrop betonieren und dafür einfach irgendwo in Südamerika aufforsten. Das ist Klimapolitik 2024 in „Innovation City“.

Lehrschwimmbecken für Bottrop!

Lehrschwimmbecken für Bottrop!

Feierlich eröffnet worden ist der Schwimmcontainer, der am Jugendkloster in Kirchhellen halt macht.

Dringend benötigt wird er, denn in Bottrop fehlen Lehrschwimmbecken, denen Kindern das Schwimmen beigebracht werden kann.

Leider bleibt das Becken gerade einmal 4 Wochen in Bottrop, denn es „tourt“ durch den ganzen Regierungsbezirk.

Das ist völlig lächerlich. Bottrop braucht einen eigenen Schwimmcontainer, der dauerhaft in der Stadt bleiben kann.

Außerdem muss die Stadt sofort damit beginnen, den Bau neuer Lehrschwimmbecken zu planen, die so dringend gebraucht werden.

Genau das haben wir in den Haushaltsberatungen beantragt – leider lehnten SPD und CDU diesen Vorstoß ab. Auch für den Doppelhaushalt 2025/2026 werden wir das wieder beantragen, weil es nötiger ist als je zuvor.

Schwimmunterricht für Kinder ist ein weiteres Beispiel dafür, wie Sparpolitik und die Schuldenbremse nachhaltig Schäden für die Gesellschaft anrichten.

Stoppt diesen irren Kürzungshaushalt und stoppt OB „Abriss-Berni“ Tischler, bevor er noch den letzten Rest unserer Infrastruktur abreißt!

Stoppt den Angriff auf kommunale Demokratie!

Stoppt den Angriff auf kommunale Demokratie!

Die Fraktionen von CDU, SPD und Grünen setzen sich im Landtag für eine Änderung des Kommunalwahlgesetzes ein. Durch diese Änderung soll durch die Hintertür eine Sperrklausel eingeführt werden, nachdem eine Prozenthürde für die Kommunalwahlen vom Verfassungsgericht eindeutig als verfassungswidrig abgeschmettert wurde.

Mit den Wahlergebnissen von 2020 würde die neue Änderung in über 150 Fällen in NRW kleine Parteien, Wählergemeinschaften und Einzelbewerber treffen, die dadurch weniger Sitze und damit weniger Einfluss, Geld, Personal, Räumlichkeiten usw. bekommen. In weniger als einer handvoll Fällen wären derzeit SPD, CDU und Grüne betroffen. Vor allem die CDU dürfte durch die Änderung erheblichen Zugewinn an Sitzen verzeichnen.

Dabei sind gerade bei Kommunalwahlen kleine Parteien und Wählergemeinschaften oft von großer Bedeutung.

Eine solche Änderung im Wahlrecht durch die großen Parteien, die die großen Parteien bevorzugt und kleinere massiv benachteiligt, ist zutiefst undemokratisch. Außerdem kommt sie gerade einmal ein Jahr vor den nächsten Kommunalwahlen in NRW.

Dieser Stil von Hendrik Wüst und Mona Neubaur, sich das Wahlrecht einfach so zu gestalten, wie es für einen selbst von Vorteil ist, kennen wir sonst von den Trumps, Orbans und Melonis dieser Welt.

Durch solche Manöver wird die radikale Rechte noch weiter gestärkt, indem unabhängige Bewerber/-listen und linke Oppositionsgruppen aus den Räten herausgehalten werden.

Auch BOT.Sozial hält diese Reform für einen verfassungswidrigen Angriff auf die kommunale Demokratie und hofft auf Erfolg der (bspw. von LINKE oder FDP) angekündigten Klagen gegen die Änderung.